Die Technik

Die Bedeutung Kamae-Formen

Fünf verschiedene Kamae-Formen kennen wir üblicherweise im Kendo, wir verwenden sie in der Regel aber nur in der Kata. Selten finden sich Jodan-Kämpfer, und ab und an wagt sich ein Kämpfer auch mal in Gedan. Was die Kamae-Formen aber bedeuten, und mit welcher Kamae ich auf eine bestimmte Form reagieren kann, das findest Du hier:

Chudan No Kamae: Wasser
Chudan ist die grundlegendste aller Kamae-Formen. Sie ist vielfältig verwendbar, sowohl im Angriff, als auch in der Verteidigung. Wasser löscht Feuer!

Jodan No Kamae: Feuer
Feuer steht für die alles verzehrende Kraft. Jodan ist vorrangig eine Angriffs-Kamae. Es wird nach Morote Migi Jodan (rechtes Jodan) und Hidari Jodan (linkes Jodan) unterschieden, deren Bedeutung aber gleich ist.

Gedan No Kamae: Erde 

Gedan
ist sehr defensiv. Erde bedeckt Wasser, damit ist Gedan gut gegen Chudan einsetzbar.

Hasso no Kamae: Holz 

Hasso
bedeutet, daß aus dieser Kamae acht verschiedene Trefferzonen (Nacken, Schulter,...) erreicht werden können Hasso steht auch für die acht Transformationen des Buddha.

Wakigamae: Gold 

Wakigamae
 ist Yang, Hasso ist Yin. Gold siegt über Holz. Gold steht für versteckten Kostbarkeiten, die man in ihrer Vielfalt nutzen kann.

 

Seme – Grundlegende Techniken

Ein kleines Wort im Kendo mit großer Bedeutung... Seme! Ein japanisches Sprichwort bringt uns dessen Bedeutung näher: Katte ute; utte katsuna - Gewinne, dann schlage; Schlage nicht um zu gewinnen. Sprich: Du mußt versuchen, Deinen Gegner schon vor dem Ausführen Deines Schlages zu besiegen. Aber wie, er will ja schließlich gleiches erreichen... ;-) 
 

Seme ist ein Weg, ein starkes Kiai und Kensen unseres Gegners zu brechen, also den Weg für den Sieg zu bereiten. Daraus wird sich eine Schlaggelegenheit ergeben. Man muß versuchen, durch die eigene Stärke seinen Gegener in eine der Vier Schwächen zu versetzen: Furcht, Erschrecken, Zweifel oder Täuschung.

Wege dahin gibt es verschiedene. Bedränge Deinen Gegner mit starkem Kiai, schlage sein Shinai zur Seite, drehe es aus der Mitte heraus oder lenke seinen Schlag ab. Die Folge muß aber immer die gleich sein: Sobald das Kensen des Gegners bekämpft ist, mußt Du zuschlagen, ohne zu zögern! 
 

Techniken, das Kensen des Gegners abzulenken

Fureru: Durch leichtes Berühren des Kensen versucht man zu erfahren, wie der Gegner reagiert, ob er entschlossen ist oder zweifelt. Durch Druck versucht man, den Zweifel zu vermehren.
Osaeru: Man versucht, das Shinai des Gegners mit dem eigenen Shinogi zu bedecken, besonders in Momenten in denen der Gegner sich bewegt oder zu einem Schlag ansetzt.
Hajiku: Durch einen knappen Schlag versucht man, den Schlagansatz des Gegners zu stören.
Uchiotoshi: Duch herunterschlagen des gegnerischen Shinais versucht man, mit dem eigenen die Mitte zu erobern und zu schlagen.
Harai: Durch diagonales Ausholen bringt man das Shinai des Gegners aus der Mitte und schlägt umgehend zu.
Makiotoshi: Das Herausdrehen des gegnerischen Shinai aus der Mitte bietet sich an, wenn der Gegner das Shinai sehr fest hält.

Datotsu ist meist in folgenden Fällen erfolgreich:

o Men: Wenn das gegnerische Kensen niedrig ist, oder seitlich steht
o Kote: Wenn das gegnerische Kensen hoch oder links steht
o Do: Wenn die Hände des Gegners leicht erhoben sind, oder das Chudan-no-kamae weit nach vorne gestreckt ist
o Tsuki: Wenn das gegnerische Kensen niedrig oder rechts steht 
 
Und natürlich noch die geheime Technik:

Üben, üben, üben...;-)

 

Schlaggelegenheiten

 

Der erste Schritt für einen erfolgreichen Angriff ist, den Gegner in den Zustand einer der Vier Schwächen zu versetzen: Furcht, Erschrecken, Zweifel oder Täuschung. Ich erreiche dies nicht einfach durch körperliche Kraftanstrengung oder Präsenz, ich muß vielmehr mit meinem starken Geist, meinem Ki, den Gegner bedrängen. Ist mir das gelungen, ergibt sich (hoffentlich) eine Schlaggelegenheit. 
 

Schlaggelegenheiten
Aus einer Vorübung zu Debana-Techniken sind uns einige günstige Momente bekannt, in denen sich ein Angriff anbietet: Beide Kämpfer stehen sich im Isso
ku-Itto-No-Maai gegenüber, der Schüler zieht/schiebt den Lehrer mit seiner Schwertspitze hin und her. Der beste Moment des Angriffs ist nun gekommen, wenn der Lehrer gerade beginnt zurückzuweichen, und deswegen nicht das optimale Gleichgewicht halten kann.

Oder wenn der Lehrer beginnt, gerade wieder nach vorne zu gehen; der Schüler kann in diesem Moment seine eigene Vorwärtsbewegung weiterführen und dadurch den verringerten Abstand zwischen beiden für den eigenen Schlag nutzen.

Gleiches gilt natürlich auch für die inneren Zustände des Gegners. Wenn er ausweicht, wenn er innerlich nachgibt, wenn er sein inneres Gleichgewicht nicht gefunden hat, dann ist die Gelegenheit zum Schlag gegeben. 
Zusammenfassend läßt sich sagen: Der beste Punkt, einen Schlag zu setzen, ist gekommen, wenn der Gegner gerade geschlagen hat, schlagen will oder aus dem Gleichgewicht ist. Seme ist ein Weg, diese Gelegenheiten herauszuarbeiten und zu nutzen!

Anwendungen

o Seme zu Tsuki, schlage dann Men order Kote, je nachdem, wie der Gegner reagierto Seme zum Men, schlage dann Kote oder Do 

o Seme zu Kote
, schlage dann Men
o Gegner zieht sich zurück. Wende Oikomi Men oder Renzoku Waza an
o Der Gegner rückt vor oder schlägt zurück: Debana Waza oder Harai Waza  

Bleibt noch zu klären, wie ich Seme trainieren kann...wahrscheinlich die schwierigste Frage bei Seme. Sicher ist, daß Seme nur entstehen kann, wenn Du Dich konzentrierst, Deinen Geist und Deinen Körper beruhigst (Ki wo tamueru) und mit viel Zanshin trainierst. Wenn Du gegen einen Gegner mit stärkerem Seme trainierst, versuche dagegen zu halten, trainierst Du mit gleichstarken, so versuche stärker zu sein. Verbessere stets Deine Technik und lerne Selbstvertrauen, dann wird Dein Seme erfolgreich sein!

 

Kihon Waza – Chudan no kamea

Chudan no kamae, die mittlere Kamae-Position, ist im Kendo die zentrale Körper- und Schwerthaltung. Die perfekte Haltung kann nur ein jeder für sich selbst ausfindig machen, aber eine kleine Hilfestellung können die folgenden Punkte geben. 
 


Der Körper:


o Stehe gerade und frei aufrecht, beide Füße aneinander.
o Drehe den linken Fuß um die Ferse um 90° nach links, dann über die Zehen um 90° nach rechts. Beide Füße stehen jetzt parallel und etwa einen Fuß breit auseinander, die Zehen des hinteren, linken Fusses sind in etwa auf Höhe der rechten Ferse.
o Schiebe die linke Hüfte nach vorne, spanne den Po  (stelle Dir vor, Du müßtest eine Münze mit den Po-Backen festhalten) und den Bauch an. Presse dazu Luft in den Unterbauch, ziehe nicht den Bauch ein! Der Oberkörper, vor allem die Schultern, bleibt dazu absolut locker und entspannt.

o Hebe die Zehen beider Füße an und verlagere nun den Schwerpunkt auf die erhobenen Zehen: Man rollt dabei die Füße nach vorne ab. Dabei erheben sich beide Fersen leicht vom Boden; die linke etwa zwei bis drei Zentimeter, die rechte nur soweit, daß man ein Blatt Papier unter ihr durchschieben kann.
o Das Gewicht sollte zu gleichen Teilen auf  beiden Füssen verteilt sein, ggf. in einem 60/40-Verhältnis auf dem hinteren Fuß liegen.
o Stehe mit dem Gefühl, ein Faden auf Deinem Kopf würde Dich wie eine Marionette nach oben ziehen: hoch, aufrecht, mit erhobenem Kopf und leicht zur Brust gesenktem Kinn. 
 
 

Das Schwert:


o Halte Deinen linken Unterarm senkrecht nach oben und stelle den Shinaigriff in Deine Hand.
o Greife nur mit den unteren drei Fingern um den Schwertgriff herum: der kleine Finger trägt das meiste Gewicht, der Ringfinger etwas weniger und der Mittelfinger am wenigsten. Nur diese drei Finger tragen das Shinai; Zeigefinger und Daumen liegen locker, aber geschlossen mit an.
o Senke das Schwert ab, bis die Spitze auf dem Boden aufliegt. Nimm nun die rechte Hand dazu und lege sie, direkt unterhalb der Tsuba, von oben auf den Schwertgriff auf. Lasse dazu den Griff senkrecht aus dem Dreieck, das von den aufgespreizten Daumen und Zeigefinger gebildet wird, herauslaufen. Auch von der rechten Hand greifen nur die unteren drei Finger zu, Daumen und Zeigefinger liegen wieder geschlossen und locker mit an.


Achtung: 


Nur die linke Hand trägt das Schwert, die rechte führt es nur und leitet die Techniken ein. 
o Beide Hände greifen nun nicht senkrecht oder seitlich, sondern sehr flach und von oben auf den Griff. 
Hebe die linke Hand vor den Bauch, mit etwa einer faustbreit Abstand. Hebe mit der rechten das Shinai an, bis die Schwertspitze in Verlängerung auf einen virtuellen Gegner Deiner Größe zeigt. Die rechte kommt dabei etwa auf Bauchnabelhöhe. 
Deine Arme sollten nun ein großes Oval bilden und nicht nach unten oder vorne gestreckt sein. Beide Ellenbogen sind leicht angewinkelt und ruhen seitlich locker an Deinem Körper. 
 
Kontrolliere den richtigen Stand und die richtige Haltung zu Beginn einer jeden Übung, um sie zu perfektionieren. Schwertziehen und -wegstecken geschehen immer eng entlang des Körpers, mache keine überflüssigen Bewegungen in die Kamae oder aus ihr heraus.

 

Kihon Waza-Men Uchi

Der Schlag auf den Men ist der wichtigste Schlag im Kendo, die bedeutenste Technik (Waza). In der Grundübung wird der Men wie folgt geschlagen: 
 

o Chudan-no-kamae einnehmen, der Abstand zum Gegner ist Issoku-itto no maai (ein Schritt - ein Schlag - Abstand). 
o Ausholen: Das Shinai wird gerade aus den Schultern heraus angehoben, bis die linke Hand ungefähr faustbreit über der Stirn steht. Das Schwert hat einen Winkel von 45° nach hinten oben. 
o Man stößt sich mit dem hinteren, linken Fuß ab und bewegt den rechten Fuß zu einem Stampfschritt (Fumikomi) weit nach vorne. Gleichzeitig wird mit dem Monouchi des Shinai auf den Men geschlagen; im Moment des Auftrefens (Datotsu) müssen beide Hände leicht nach innen eingedreht werden (Tenouchi), der Shinaigriff wird quasi ausgewrungen. Laut und scharf wird dazu "Men" (Kiai) gerufen. Im Augenblick des Treffers sollte die linke Hand etwa auf Brusthöhe sein, der rechte Arm ungefähr parallel zum Boden verlaufen. Die Ellbogen sind dabei natürlich angewinkelt und nicht durchgestreckt. Der linke Fuß muss unverzüglich nachgezogen werden. Ausholen (Furikaburi) und Schlagen (Datotsu) müssen im Kendo gleichförmig in einer Bewegung verlaufen, es darf in dem Bewegungsablauf keine Pause (Ichibyoshi) entstehen. 
o Nach dem Schlag direkt zurück in Issoku-itto no maai gehen und wieder die Chudan-no-maai einnehmen.

 

 
Häufige Fehler...

... während des Ausholens:  

o Die linke Hand wird nicht über die Stirn gehoben, sondern vor das Gesicht.
o Der linke Ellbogen wird zu steif gehalten.
o Die rechte Hand greift zu stark zu, damit wird das Shinai schräg nach rechts oben ausgeholt.
o Die Schwertspitze (Kensen) fällt hinter dem Rücken nach unten weg, es wurde also zu weit ausgeholt.

...während des Schlags:

o Pause zwischen dem Ausholen und dem Schlag.
o Unzureichendes Kiai.
o Zu kleiner Schritt.
o Die rechte Hüfte wird vorgestreckt.
o Der rechte Arm steht zu niedrig.
o Die linke Hand steht zu hoch. 

o Das Shinai schwingt nach unten durch, da die rechte Hand und der rechte Arm nachdrücken und zu viel Kraft ausüben. 

o Der Schlag kommt zu fest / zu sanft und ohne Tenouchi.

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